Die ENSO handelt vorschnell gegen „parkende“ Fahrräder

Ein etwas plakativer Titel unter dem ich Euch mein persönliches Erlebnis der Woche erzählen möchte, ohne dass ich letztendlich zu einem eindeutigen Fazit gekommen bin.

Am Tag des Höchststand
…vom Elbehochwasser 2013 musste ich mit dem Zug nach Leipzig fahren. Da mein geliebtes Fahrrad schon 2011 dem Hochwasser zum Opfer viel und ich die gesamte Nabenschaltung wechseln musste, wollte ich es dieses mal hochwassersicher anschließen. Direkt am Hauptbahnhof in Dresden fand ich am Enso Haus auch die passende Gelegenheit:
Ein Baum musste herhalten und ich schloss mein Fahrrad in etwa 1,5 Meter Höhe an. Ich hatte einfach Angst, dass ich nach meiner Heimkehr erneut mein Fahrrad im Wasser stand. Die Wahrscheinlichkeit war dafür auch gegeben, da 2002 im Bereich des HBF das Wasser von der Weißeritz kam.

Mein Fahrrad war weg
Nachdem ich am Abend des selben Tages dann mit den Zug in den HBF wieder eingefahren war und ich meinen ungewöhnlichen Fahrradabstellplatz aufsuchte war es nicht mehr am Ort gewesen. Ich dachte direkt an Diebstahl, wobei ich mir auch vorstellen konnte, dass es bewusst durch das Ordnungsamt bzw. die Polizei entfernt wurde. Doch mein Anruf bei der Polizei ging in das Leere. Die Polizei würde keine Fahrräder im Stadtgebiet entfernen. Eine Vermutung blieb noch: Könnte eventuell die Hausverwaltung der ENSO mein Fahrrad abgehangen haben?

Mein Fahrrad war wieder da
Am nächsten morgen rief ich also bei der Enso an und mir wurde mitgeteilt, dass ich mein Fahrrad abholen dürfte. Mit gemischten Gefühlen holte ich mein Rad ab: Ich war dankbar, dass ich es wieder hatte, gleichzeitig finde ich es auch etwas dreist, dass es einfach ohne Info an die Polizei bzw. Notiz am Abstellort entfernt wurde.

Da gibt es noch einen Schaden in Höhe von 70 Euro
Um das Fahrrad vom Baum zu bekommen, wurde mein Abus Bordo Fahrradschloss im Wert von 70 Euro durchgesägt. Zurecht, laut Aussage des Security, denn mein Rad befand sich ja auf einem Privatgrundstück. Ich brachte meine Gründe mit dem Hochwasser vor und die Security meinte nur, dass hier ja kein Hochwasser da sei. Als ich die installierten Flutwände am Gebäude ansprach, wurde das Thema gewechselt und  auf das Hausrecht verwiesen.

Gemischte Gefühle bleiben
Ich kann gut verstehen, dass es schlecht wäre, wenn plötzlich jeder seine Fahrräder in 1,5 Meter Höhe anschließt. Ich kann auch verstehen, dass für Besitzer von Grundstücken es eine Plage sein kann, wenn zu viele Fahrräder auf dem Gelände parken. ABER über folgende Aspekte sollte man auch etwas nachdenken.

  • Der Vorplatz des ENSO Gebäudes ist frei zugänglich: Mir war gar nicht bewusst, dass die Enso keine Fahrräder hier haben möchte. Es gab keine Beschilderung des Verbots oder ähnliches. Weiterhin ist es ein öffentlich zugängliches Grundstück, wo viele Kunden und Gäste kommen: Conrad, Rewe, eine Bank, die Deutsche Post und eine Apotheke haben sich dort eingemietet. Es ist also irgendwie normal, dass die Besucher auch mit dem Auto oder Fahrrad anreisen. FAZIT. Sollte man nicht ein Zaun bauen, wenn man keine Fahrräder auf dem Gelände haben möchte? Ist diese kritische Haltung gegenüber den umweltfreundlichen Fahrradindiviudalverkehr nicht ganz schön widersprüchlich zu den Parkplatz für die Elektroautos, welche sich ebenfalls vor dem Gelände befinden?
  • Es gab es zwar Fahrradständer, welcher aber alle restlos überfüllt waren. Weiterhin sind es auch Abstellmöglichkeiten, welche gemein hin als „Felgenkiller“ bekannt sind.
  • Ich kann verstehen, dass ein hängendes Fahrrad in den Bäumen das Fass der Fahrradproblematik zum überlaufen bringt und das hier gehandelt wurde. Aber: Wieso wurde nicht eine Nachricht an den Baum gehängt, wo ich mein Fahrrad wieder abholen könnte? Der weitere „Enso-Plan“ mit dem Rad wäre (eventuell) gewesen, dass es in 2 Wochen an das Fundamt übergeben worden wäre. Dann hätte ich also 2 Wochen kein Fahrrad gehabt.
  • Ich finde es fraglich, dass man als so aggressiv auf den eigenen Grundstück auftritt und nach nicht einmal 24 Stunden Fahrräder ohne Vorwarnung entfernt werden. Zusätzlich werden noch eventuell teure Fahrradschlösser durchgeschnitten. Zumal die Besonderheit des Hochwassers noch mit dazu gekommen ist.

Was ich mir gewünscht hätte
Ich werde wohl NICHT wieder auf  einem „Privatgrundstück“ mein Fahrrad aufhängen. Dennoch würde ich mir gerade im Bezug auf die besondere Hochwassersituation etwas mehr Nachsicht wünschen. Zum Beispiel hätte man mir einfach 24 Stunden Zeit geben können, oder ein Hinweis hätte man ebenfalls ans Rad pinnen können, dass man so etwas in Zukunft nicht dulden wird. Wenn doch mein Zweirad entfernt werden müsste, dann könnte man zumindest eine Notiz hinterlassen, wo und wie ich mein Fahrrad wieder bekommen könnte oder den Eingriff bei der Polizei melden.

Insgesamt bin ich dankbar, dass ich mein Rad wieder habe ohne dass ich womöglich noch kosten für das Abhängen zahlen musste. Mit etwas mehr Nachsicht in den Tagen des Hochwassers hätte man sicher die Emotionen auf beiden Seiten geringer halten können und ich hätte keinen Schaden in der Höhe 70 Euro haben müssen.

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10 Gedanken zu „Die ENSO handelt vorschnell gegen „parkende“ Fahrräder

  1. Suse sagt:

    Zwar von der Enso nicht unbedingt eine Meisterleistung, aber doch insgesamt vermeidbar. Da Dir die Hochwassergefahr am Hauptbahnhof ja bewusst war und Du Dir bereits im Vorfeld Gedanken gemacht hast, hättest Du ja auch einfach die Straßenbahn nehmen können. Ich würde mal sagen: Man hängt sein Fahrrad nicht an einen Baum. Weder das eine noch das andere ist dazu da…

    • Administrator sagt:

      Natürlich hätte ich die Anreise mit dem Rad vermieden wollen, aber das Problem war, dass selbst die S-Bahn in den Tagen immer wieder Verspätungen hatte. Daher war mir diese Anreise zu heikel, da ich nicht wusste, ob sie eben an diesen <morgen pünktlich kommt. Insgesamt sehe ich natürlich, dass ich einen Fehler gemacht habe und selber eine Schuld trage. Jedoch finde ich eben auch, dass man als öffentlich zugängliches Gebäude anders reagieren hätte können.

  2. Suse sagt:

    Zwar von der Enso nicht unbedingt eine Meisterleistung, aber doch insgesamt vermeidbar. Da Dir die Hochwassergefahr am Hauptbahnhof ja bewusst war und Du Dir bereits im Vorfeld Gedanken gemacht hast, hättest Du ja auch einfach die Straßenbahn nehmen können. Ich würde mal sagen: Man hängt sein Fahrrad nicht an einen Baum. Weder das eine noch das andere ist dazu da…

    • Administrator sagt:

      Natürlich hätte ich die Anreise mit dem Rad vermieden wollen, aber das Problem war, dass selbst die S-Bahn in den Tagen immer wieder Verspätungen hatte. Daher war mir diese Anreise zu heikel, da ich nicht wusste, ob sie eben an diesen <morgen pünktlich kommt. Insgesamt sehe ich natürlich, dass ich einen Fehler gemacht habe und selber eine Schuld trage. Jedoch finde ich eben auch, dass man als öffentlich zugängliches Gebäude anders reagieren hätte können.

  3. D sagt:

    Das eigentliche Problem ist natürlich, dass die Deutsche Bahn es nicht schafft sichere Fahrrad-Abstellmöglichkeiten in ausreichender Anzahl bereitzustellen. (Auch wenn es laut http://www.dresden.de/media/pdf/mobilitaet/P___R___B___R_-___bersichtslageplan_Dresden.pdf am Hbf. „Bike+Ride“-Anlage in Betrieb gibt… wo soll die stehen?) Insofern absolut nachvollziehbar, dorthin auszuweichen, und umso weniger nachvollziehbar, wie Hausverwaltung hier reagiert hat. Auf dem Gelände stehen massenhaft Fahrräder, wen stört da eins, das hängt statt steht?!

    Gerade die Enso („Ihr kompetenter Partner für Strom, Erdgas, WASSER, Wärme und energienahe Dienstleistungen.“) müsste doch wissen, wie es 2002 aussah.
    Diese völlig übertriebene Reaktion zeigt allerdings mal wieder das generell Fahrradfeindliche Klima hierzulande, das sich irgendwo auch in Suses Kommentar wiederspiegelt.

    Da dir die 70 Euro für ein neues Bordo nicht so sehr wehzutun scheinen, ist vermutlich auch die Motivation für weiteres Nachhaken und Rumstreiten nicht so groß.

    Aber ernsthaft, sich dafür auch noch zu bedanken, nicht noch „Abschleppgebühren“ in Rechnung gestellt zu bekommen… es ist ja nicht so, dass du den Baum als tagtäglichen Hängeplatz für dein Fahrrad genutzt hättest, die Hausverwaltung hätte also als „mildes Mittel“ einfach mal einen Zettel ANS Fahrrad pappen können. Insofern: Einsicht, wo nötig, ist sinnvoll, aber hier würde ich mich nicht von irgendwelchen Security-Hampelmännern bequatschen lassen, sondern mich mal an den Service Desk oder so wenden…

    Beste Grüße
    D.

    • Administrator sagt:

      Also 70 Euro tun mir schon weh. Aber ich habe für mich festgelegt, dass ich sie mir noch mehr weh tun, wenn ich wieder ständig darüber nachdenke, dass ich eben diese „Investition“ vermeiden hätte können, wenn ich doch/wenn die Enso/…. Daher lasse ich es beruhen, weil die Enso mir wohl nichts erstatten wird und sich hinter ihren Hausrecht „versteckt“. Mein neues Bordo hat überigens 73 Euro gekostet.

      Ich habe nicht weiter rumgestritten oder nachgehakt und sondern mich zumindest im Blogbeitrag für das ausbleiben von „Abschleppgebühren“ bedankt“, da rechtlich auch einzelne Fakten dafür sprechen, dass an den Einwänden der Enso auch etwas dran ist. Es gibt eben Städte / Unternehmen / Vermieter die tatsächlich von „Abschleppunternehmen“ Fahrräder entfernen lassen. Wobei ich jetzt nicht weiß, welche Zwischenschritte/Zeiträume man vor dem Abschleppen eingelegt hat.

      Ich als Mensch, der Kommunikation mag, habe eben einfach hier im Artikel relativ ausgewogen darstellen wollen, das eben durch Kommunikation und etwas Rücksicht / Einsicht manches vorschnelle Handeln verhindert hätte werden können. Mein Ziel ist es, dass die Enso in Zukunft kein so hartes Vorgehen mehr an den Tag legt sondern sieht, welche alternativen Handlungsmöglichkeiten sie hat.

      Zur Zeit hat die Enso noch nicht auf meine Email mit den verlinkten Beitrag reagiert und ich hatte bei der Abholung nur mit dem Facilitymanager und der Security Kontakt.

  4. D sagt:

    Das eigentliche Problem ist natürlich, dass die Deutsche Bahn es nicht schafft sichere Fahrrad-Abstellmöglichkeiten in ausreichender Anzahl bereitzustellen. (Auch wenn es laut http://www.dresden.de/media/pdf/mobilitaet/P___R___B___R_-___bersichtslageplan_Dresden.pdf am Hbf. „Bike+Ride“-Anlage in Betrieb gibt… wo soll die stehen?) Insofern absolut nachvollziehbar, dorthin auszuweichen, und umso weniger nachvollziehbar, wie Hausverwaltung hier reagiert hat. Auf dem Gelände stehen massenhaft Fahrräder, wen stört da eins, das hängt statt steht?!

    Gerade die Enso („Ihr kompetenter Partner für Strom, Erdgas, WASSER, Wärme und energienahe Dienstleistungen.“) müsste doch wissen, wie es 2002 aussah.
    Diese völlig übertriebene Reaktion zeigt allerdings mal wieder das generell Fahrradfeindliche Klima hierzulande, das sich irgendwo auch in Suses Kommentar wiederspiegelt.

    Da dir die 70 Euro für ein neues Bordo nicht so sehr wehzutun scheinen, ist vermutlich auch die Motivation für weiteres Nachhaken und Rumstreiten nicht so groß.

    Aber ernsthaft, sich dafür auch noch zu bedanken, nicht noch „Abschleppgebühren“ in Rechnung gestellt zu bekommen… es ist ja nicht so, dass du den Baum als tagtäglichen Hängeplatz für dein Fahrrad genutzt hättest, die Hausverwaltung hätte also als „mildes Mittel“ einfach mal einen Zettel ANS Fahrrad pappen können. Insofern: Einsicht, wo nötig, ist sinnvoll, aber hier würde ich mich nicht von irgendwelchen Security-Hampelmännern bequatschen lassen, sondern mich mal an den Service Desk oder so wenden…

    Beste Grüße
    D.

    • Administrator sagt:

      Also 70 Euro tun mir schon weh. Aber ich habe für mich festgelegt, dass ich sie mir noch mehr weh tun, wenn ich wieder ständig darüber nachdenke, dass ich eben diese „Investition“ vermeiden hätte können, wenn ich doch/wenn die Enso/…. Daher lasse ich es beruhen, weil die Enso mir wohl nichts erstatten wird und sich hinter ihren Hausrecht „versteckt“. Mein neues Bordo hat überigens 73 Euro gekostet.

      Ich habe nicht weiter rumgestritten oder nachgehakt und sondern mich zumindest im Blogbeitrag für das ausbleiben von „Abschleppgebühren“ bedankt“, da rechtlich auch einzelne Fakten dafür sprechen, dass an den Einwänden der Enso auch etwas dran ist. Es gibt eben Städte / Unternehmen / Vermieter die tatsächlich von „Abschleppunternehmen“ Fahrräder entfernen lassen. Wobei ich jetzt nicht weiß, welche Zwischenschritte/Zeiträume man vor dem Abschleppen eingelegt hat.

      Ich als Mensch, der Kommunikation mag, habe eben einfach hier im Artikel relativ ausgewogen darstellen wollen, das eben durch Kommunikation und etwas Rücksicht / Einsicht manches vorschnelle Handeln verhindert hätte werden können. Mein Ziel ist es, dass die Enso in Zukunft kein so hartes Vorgehen mehr an den Tag legt sondern sieht, welche alternativen Handlungsmöglichkeiten sie hat.

      Zur Zeit hat die Enso noch nicht auf meine Email mit den verlinkten Beitrag reagiert und ich hatte bei der Abholung nur mit dem Facilitymanager und der Security Kontakt.

  5. Mr. Blue sagt:

    Nicht gerade eine kooperative Art von der Enso! Denn auf Gehwegen und anderen Verkehrsflächen dürfen Fahrräder grundsätzlich abgestellt werden. Wenn dort zumindest paar Schilder nach der Art „Nur für Mitarbeiter und Besucher der Enso … Widerrechtlich abgestellte Fahrräder werden entfernt!“ gehangen hätten. Wie soll man denn wissen, wo die Grundstücksgrenzen laufen?
    Und die 70 Euronen sind für einen Studenten schon ne dicke Sache. Ich hoffe, dass die Enso zumindest die angerichtete Sachbeschädigung wieder gerade biegt und solch eine unnötige Ausgabe in Zukunft lieber in paar Schilder für 5 € investiert.

  6. Mr. Blue sagt:

    Nicht gerade eine kooperative Art von der Enso! Denn auf Gehwegen und anderen Verkehrsflächen dürfen Fahrräder grundsätzlich abgestellt werden. Wenn dort zumindest paar Schilder nach der Art „Nur für Mitarbeiter und Besucher der Enso … Widerrechtlich abgestellte Fahrräder werden entfernt!“ gehangen hätten. Wie soll man denn wissen, wo die Grundstücksgrenzen laufen?
    Und die 70 Euronen sind für einen Studenten schon ne dicke Sache. Ich hoffe, dass die Enso zumindest die angerichtete Sachbeschädigung wieder gerade biegt und solch eine unnötige Ausgabe in Zukunft lieber in paar Schilder für 5 € investiert.

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